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„No Stress, Cabo Verde“
Ohhh Boy, was für ein Windsurfabenteuer! Auf die Kapverden wollte ich schon seit einer halben Ewigkeit. Bei meinem ersten Versuch – ich glaube es war 2008 – ging der Motor von meinem VW Bulli in Rauch auf und damit auch der Surfurlaub. Aber ich hatte mir versprochen irgendwann das Ticket nach Sal zu lösen.

Oktober 2014. Ich sitze zuhause, verzweifelt vor meinem Schreibtisch und stelle einmal mehr fest, dass mir Büroarbeit einfach nicht liegt, als das Telefon klingelt.
Spanische Nummer. Mir gehen gleich mehrere Möglichkeiten durch den Kopf, wer das sein könnte und ich lag richtig- es war Patrick.
Ich glaube, gute Freunde erkennt man einfach daran, dass sie im richtigen Moment mit den richtigen Worten für einen da sind.
Patrick: „Chris..?.. Eyyyy Digga… wir fahren auf die Cabo Verde man, ich habe das ausgescheckt!
Die AWT kommt nach Afrika, also für uns um die Ecke. Das bedeutet auch keine Kiter an den ganzen guten Spots auf Sal – weil die für den Windsurfcontest gesperrt sein werden. Wir müssen da mitfahren.“
Ok, die Vorstellung an leeren Spots mit masthohen, türkisfarbenen Wellen und side-offshore Winden war in meiner Situation die pure Erlösung. Der Gedanke bald im Windsurfparadise zu sein half mir auch über meine Büroarbeit hinweg.

Und so saß ich Mitte Januar schon im Flieger zurück in meine alte Wahl-Heimat nach Fuerteventura, wo auch Patrick noch immer lebt. Einen Monat bis zum Windsurfcontest blieb uns, um an unserer Technik und dem Timing zu pfeilen. Jeder Tag der zum Surfen oder Windsurfen verwertbar war wurde genutzt – immer Wind von rechts, immer side-off.
Ein Tag vor Abflug wurden wir sichtlich nervöser, da unser Surfgepäck trotz eines beachtlichen Anteils an Ersatzmasten, nicht mehr als 32kg wiegen und ein begrenztes Volumen nicht überschreiten durfte.
Binter Canarias verfügt nämlich nur über kleine bis sehr kleine Flugzeuge, dafür aber über tausend Geschichten von nicht mitgenommenem Surfgepäck.
Übernächtigt, ich von meinem Geburtstag und Patrick von seiner Grippe, checkten wir am nächsten Morgen tatsächlich von Fuerte mit Surfgepäck nach Sal ein.


„No Stress – Cabo Verde“ war die Antwort des Taxifahrers, als ich ihn fragte, wo er das Surfgepäck denn in seinem kleinen Toyota verstauen möchte. Drei Minuten später steckt unser Windsurfgepäck zu einem Viertel im Kofferraum und zu Dreiviertel war es sich selbst, dem Knoten unseres Taxifahrers und dem seinem Schicksal überlassen.

Windsurfen_sylt

Das erste Mal Ponta Preta! Wie lange haben wir davon geträumt? Wie viele Videos gesehen? Und nun war Ponta Preta „on fire“- direkt vor uns mit massiver Windsurfaction. Die meisten AWT Rider waren wie wir ein paar Tage vor dem Contest angereist, um sich auf die Bedingungen einzufahren und sich von der langen Anreise zu erholen. Der Tag in Ponta Preta war absolut epic. Die Welle ist schnell, aber trotzdem gutmütig – solang dein Timing sitzt. Bist du zu spät, geht es direkt auf die Steine und Ihre Bewohner, den Seeigeln. Hast du das Timing raus, befördert die Welle dich in das nächste Windsurflevel!

Hat man Ponta Preta für’s Windsurfen geschaffen? – Oder wurde Windsurfen für Ponta Preta geschaffen? Das war die Frage jenen abends.
AWT_Pritchard

Leider hielt der Megaswell nur zwei Tage an und zum Beginn unseres Windsurf-Contest
– dem „Goya Pro Cabo Verde“ war es beinahe flach. Daher entschied Chris Freeman, Headjudge der American Windsurfing Tour (AWT), dass wir zu einem Wellen sichereren Spot in den Norden der Insel namens „Little Hookipa“ oder auch „Secrets“ genannt umziehen müssen.

AWT_KauliIn den noch folgenden Tagen sollte dies der einzige Spot auf der Liste bleiben und so musste wohl jeder von uns Abstriche in Wellenhöhe machen – dafür aber sein Segel runter trimmen was der Mast herhielt. Anders als erwartet blies der Nord-Ost Passat stärker als gedacht und machte ein 4,7er Segel kaum noch haltbar. Viel Wind und kleinere Wellen als erwartet waren nun das Paket.

Boujmaa_AWT

Da ich unter die ersten 16 in die Pro Liga aufgerückt wurde, hatte ich Zeit, den Amateuren bei ihren ersten Heats zu zusehen.
Patrick schien trotz Grippe seinen Flow gefunden zu haben, von seinem ersten Heat bis in das Finale der Amateure sollte es nun heißen: „and the winner is… Patrick Mazur!“
Mit seinem flüssigen Style und sauberen Aerials holte er sich den Titel bei den Amateuren und qualifizierte er sich für die Pro Runden. Am Ende reichte es bei Patrick für einen sensationellen 11. Patz in der Overall Wertung.

Meine Heats als Amateur gegen die Pros fiel wie erwartet ohne Überraschung unspektakulärer aus. Und so musste ich mich Camille Juban, dem späteren Event Sieger, geschlagen geben. Am Ende sprangen Platz 15 und einmalige Erinnerungen an den Tag für mich heraus.

Camillo_AWTDas Pro Finale war ein Feuerwerk an Moves und Aerials. Der starke Nordostwind sollte auch an diesem Tag wieder voll aufdrehen und die Wellen waren bis Mittag wieder groß genug, um das Finale einzuläuten. Nach spannenden Wettkämpfen stand das Finale fest:
Kauli Seadi, Kevin Pritchard, Boujmaa Guilloul und Camille Juban. Ein ernsthaftes Finale mit 2 PWA World Champions und 2 AWT Pro Champions, jeder entschlossen zu gewinnen. Die Segelwahl fiel bei anhaltendem Nordost-Passat zwischen 4,0 qm und 4,7 qm, voll an gepowert. Ein Standard Wellenritt lag hier mit 3-4 sauberen und flüssigen Turns und einem sauber gelandetem Abschluss-Move bei 8,5 Punkten. Pritchard holte sich im Heat gegen Kauli gleich die größten Wellen aus den seltenen Sets, die über den Point Break liefen und war so mit sauberen Turns in den großen Wellen Kauli weit voraus. Die Antwort von Kauli, der noch immer kein großes Set in Sicht hatte, waren super viele und enge Turns in der Pocket der Welle mit riesigen und sauber gelandeten Goiter.
Boujmaa Guilloul und Camille Juban lieferten sich im 2. Semi-Finale das Rennen. Boujmaa dominierte von Beginn an die Runde mit perfekten Turns und Goiter und einem Aerial über eine große Close Out-Sektion mit dem Kopf im Nacken. Camille Juban brauchte bis zur Halbzeit, um seine Wellen zu finden um darauf zu Antworten. Mit einem riesigen Goiter in der Close Out-Sektion der Welle gesetzt und im flachen vor der Welle sauber gelandet, füllte er somit das Punktekonto wieder auf. Ein weiterer verdrehter Areal mit Kopf im Nacken ließ Camille vorbei an Boujmaa in das Finale einziehen.

AWT_Winner

Loser-Finale Pritchdog gegen Boujee. Pritchard eröffnete diese Runde mit einer Logo hohen Welle, die er vom Point bis zum Schluss mit Turns auseinander pflügte und mit einem one-footed Aerial sauber abschloss. Boujmaa musste aufholen und tat es mit einer Welle draußen vom Point, die er mit vertikalen Turns und einem abschließenden Goiter bis auf das Riff surfte. Mit seiner zweiten Welle holte sich Boujmaa erstmals die Führung im Heat mit einem one-handed Aerial und sicherte sich somit Platz 3.


Finale: Weltmeister Kauli Seadi gegen Rising Star Camille Juban. Der Finale Heat wurde verlängert, so dass jeder auf 12-15 Wellen kam. Es waren zwei sehr verschiedene Styles, die im Finale aufeinander trafen: Kauli, mit seinen flüssigen, in der Pocket vertikalen Turns gegen Camilles sehr kraftvollen Wellenritten mit viel Air und dem wohl größten Goiter während des ganzen Contest. Dieser sollte am Ende den Sieg für Camille und für Kauli den zweiten Platz bedeuten.
Bei den Frauen landete Kate McAnena auf Platz 1 gefolgt von Sam Bittner auf 2. Platz drei ging an Vicky Abbott und vierte bei den Damen die erst 16 jährige Nicole Bandini.
Die Reise war eine sehr positive Erfahrung. Wir haben viele interessante Menschen kennen gelernt. Wir haben einmal mehr unser Surfen gepuscht und wurden von Pritchard, Camille Juban und vielen anderen ermutigt, die Tour mitzufahren.
Auch wenn wir die Tour nicht in diesem Jahr mitfahren werden, so bleibt seit diesem Zeitpunkt immer der Gedanke daran, dass wir es eigentlich doch könnten.

Flashback: what a great winter!
I hope to keep this experience and spread the joy I have with windsurfing and traveling and meeting new people to my Team @ Südkap Surfing and all my future students in my surfschool at Sylt. Special thanks to the organizer of the Africa watersport-kids-day with over 100 local kids!
#Caboverdepro #Americanwindsurfingtour

 

photo cedit: AWT – American Windsurfing Tour; Cabo Creative Lab

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